„Die Technologie von morgen anbieten“

Zum 15. Geburtstag von STARFACE am 4. Juli haben wir STARFACE Gründerin und Geschäftsführerin Barbara Mauve zum Interview gebeten.

Frage: Babs, wie hast Du Florian Buzin, mit dem zusammen Du STARFACE vor 15 Jahren gegründet hast,  kennengelernt?

BM: Während der dot.com-Zeit habe ich mit Flo in einer Multimedia-Agentur gearbeitet. Dort haben wir zusammen verschiedene Projekte bearbeitet und gemeinsam Software entwickelt – ich war für die Gestaltung und Konzeption der Benutzeroberfläche zuständig und er war einer der Core-Programmierer. In der Zeit haben wir uns kennen und schätzen gelernt, sowohl unsere fachliche Zusammenarbeit als auch als Kollegen. Als die dot.com-Blase geplatzt ist, haben wir rechtzeitig den Absprung gewagt und in einem Gemeinschaftsbüro als Selbständige weitergearbeitet – auch teilweise gemeinsam an Projekten, u.a. für DaimlerChrysler und Böhringer Ingelheim.

Frage: Was waren das für Projekte?

BM: Das waren damals vor allem individuell entwickelte Software-Projekte und Gestaltung und Umsetzung von webbasierten Anwendungen und Websites.

Frage: Das hatte also nichts mit Telefonie zu tun?

BM: Richtig. Aber wir haben gemerkt, dass Dienstleistung auf Dauer nicht skalieren kann und haben uns deswegen dazu entschieden, eigene Produkte zu entwickeln und anzubieten. Eine Produktidee war in dieser Zeit dann die IP-Telefonie. Wir sind einmal die Woche in den Irish Pub gegangen und haben Konzepte für STARFACE entwickelt. Das heißt, ohne Kilkenny gäbe es STARFACE nicht!

Frage: Wie ging es dann weiter?

BM: Etwa 2004 haben wir begonnen, die STARFACE Software zu entwickeln und gründeten 2005 die Vertico Software, um das Produkt auch vermarkten zu können. Später (2009) wurde die Vertico Software GmbH zur STARFACE GmbH umbenannt. Die ersten Schritte waren, die Software erstmal als Prototypen zu bauen. Damit konnten wir die ersten Projekte bei Kunden realisieren. Um aus dem Prototypen ein marktreifes Produkt zu entwickeln, waren größerer Investitionen notwendig. Deshalb sind wir auf die Suche nach einem Investor gegangen. 2006 konnten wir dann einen Investor von unserer Produktidee und unserem Team überzeugen.

Frage: Es war also eine Marktlücke, die Ihr für die Telefonie-Software gesehen habt?

BM: Ja. Und vor allem für benutzbare IP-Telefonie. Damals stand das technologisch alles noch in den Kinderschuhen – Cloud und IP galten noch nicht als sicher, und die Sprachqualität war damals nicht so gut. Aber dass sich die Telefonie in Richtung IP-Telefonie wandeln würde, hat sich damals schon abgezeichnet. Es hat sich auch bewahrheitet – nicht zuletzt hat die Telekom ihre alte  ISDN Technologie komplett ausgetauscht und auf zukunftsfähige IP-Technologie umgestellt.

Frage: Wie hat Eure Firmenstruktur ausgesehen?

BM: Bei der Vertico Software waren wir zu Beginn 7 Personen: Flo und ich und 4 Softwareentwickler. Mein Part, als Produkt-Designerin, war das Interfacedesign und die Usability der Software. Flo war für die Produktentwicklung zuständig, damals war noch Ralf als Gründer mit im Boot, der sich um Vertrieb und Marketing gekümmert hat.

Frage: Geschäftsprozesse wie Finanzen oder HR, habt Ihr auch selber gemanaged?

BM: Mit jedem neuen Mitarbeiter, jedem größeren Büro und jedem Wachstumsschub haben wir uns über die Jahre professionalisiert. Lange haben wir vieles selber gemacht, bis zu dem Zeitpunkt, wo wir so groß waren, dass das nicht mehr alleine machbar war und wir für die einzelnen Abteilungen Kollegen dazu geholt haben.

Frage: Wie teilt Ihr jetzt die Aufgaben?

BM: Flo ist derjenige, der die Firma nach außen als CEO repräsentiert. Ich sehe mich eher als die graue Eminenz im Hintergrund, verantwortlich dafür, dass wir nach draußen gut aussehen. Für alles, was Design und Kommunikation angeht. Ich bin sehr froh, dass wir Jürgen (Signer) vor ca. 2 1/2 Jahren mit in die Geschäftsführung geholt haben, der mit seiner langjährigen Erfahrung vor allem den Vertrieb vorantreibt. Jeder von uns Dreien ist natürlich der jeweiligen Profession entsprechend für seine Bereiche zuständig, wobei wir all die Jahre fast alle Themen auch immer miteinander besprochen haben – da ergänzen wir uns prima.

Frage: Was war am Anfang das Hauptprodukt?

BM: Hauptprodukt war wirklich die Software STARFACE, die webbasierte Software. Damals gab’s noch keine Clients, auch noch keine Hardware. Das kam erst später, als die Kunden immer wieder gefragt haben, ob wir Server und Serverkonfigurationen empfehlen könnten. Zuerst haben wir Hardware zugekauft, auf der haben wir die STARFACE Software vorinstalliert und diese als Komplettbundle verkauft. Die zugekauften Appliances waren damals leider nicht ganz so zuverlässig wie wir das gerne wollten. Deshalb haben wir dann begonnen, eigene STARFACE Appliances zu entwickeln und selbst zu produzieren.

Frage: Was waren die nächsten technologischen Schritte?

BM: Die Appliances gab es zu Beginn nur in 2 Größen. Mittlerweile bieten wir verschiedenste Appliances an für Unternehmen vom Startup bis hin zu Firmen mit mehreren tausend Mitarbeitern. Die Software hat sich über die Jahre von einer einfachen Telefonielösung hin zu einem echten Collaboration-Tool entwickelt. Die vielen entstandenen Features kann ich gar nicht alle aufzählen. Um nur einige Meilensteine zu nennen: Die Entwicklung des Modul Designers oder des Anlagenverbundes hat die STAFACE enorm vorangebracht. Auch unserer offene Schnittstelle (UCI) war Basis für die Weiterentwicklung. Damit konnten wir die Integration in verschiedenste Systeme wie z.B. CRM-Systeme realisieren. Auch wurde die Entwicklung unsere Clients dadurch überhaupt erst möglich. Nicht vergessen darf ich als wichtigen Schritt natürlich die Produkte STARFACE Cloud und STARFACE VM Edition auf denen die Software betrieben werden kann. Mit der STARFACE Cloud kam auch verstärkt die Nachfrage unserer Kunden nach geeigneten, stabilen Leitungen dazu. Deshalb haben wir STARFACE Connect als eigenen SIPtrunk mit in unsere Produktpalette aufgenommen. Und – jetzt ganz aktuell – die Einführung von STARFACE NEON die neuen Video Meeting Funktion.

Frage: Was waren die größten Herausforderungen für Euch?

BM: Neben der Entwicklung des Produktes war eine große Herausforderungen den Kundenstamm zu gewinnen und die Marke STARFACE bekannt zu machen. Die ersten Installationen haben wir bei den Kunden noch selber gemacht und gewartet. Einen Vor-Ort-Support anzubieten war, nachdem wir erfolgreicher wurden, großflächig nicht mehr machbar und darum haben wir uns dazu entschlossen, unseren Verkaufskanal auf einen Partnervertrieb umzustellen. Den Channel mit 100% Partnervertrieb aufzubauen, so wie wir ihn jetzt haben, war tatsächlich mit eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre. Das war eine lange Entwicklung, aber definitiv der richtige Schritt. Ohne unsere tollen Vertriebspartner hätte die STARFACE nicht zu dem werden können, was sie heute ist!

Frage: Wieviel Partner habt Ihr derzeit?

BM: Aktuell haben wir etwa 1300 aktive Partner in ganz Europa, vorwiegend im DACH-Gebiet und seit dem letzten Jahr sind wir auch verstärkt auf dem französischen Markt aktiv. Mittlerweile stehen STARFACE Anlagen aber schon über die ganze Welt verstreut.

Frage: Was macht Euch zum technologischen Vorreiter und was sind die USPs der Firma und des Produktes? 

BM: Wir kommen eben nicht aus der klassischen TK Branche, sondern aus der Software-Entwicklung. Deswegen haben wir bei der Gestaltung der STARFACE Software immer Vorgehensweisen entwickelt, die für die Bedienung von Software typisch sind und nicht nur die klassische Telefonie am Bildschirm abbildet. Wir versuchen permanent, innovative Produkte und Features zu gestalten, die eben etwas anders sind, besser sind im Vergleich zu dem, was schon existiert. Unser Vorteil ist, dass unser Produkt STARFACE von vornherein immer hardwareunabhängig, browserunabhängig und plattformunabhängig war und auch heute noch ist. Wir können zwischen unseren Plattformen Cloud, VM-Edition und Appliance einfach wechseln, was keine andere mir bekannte IP-Telefonie-Software kann. Auch bei der Anbindung von klassischen Tischtelefonen und Headsets sind wir sehr flexibel und können Modelle verschiedenster Hersteller einbinden. Damit heben wir uns in vielen Dingen von Mitbewerbern ab.

Frage: Ihr seid jetzt optimal aufgestellt, zum einen für die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitsplätze, zum anderen für die derzeitige Situation der Corona-Pandemie?

BM: Ja, nehmen wir z.B. STARFACE NEON – das Produkt trifft total den Zeitgeist. Wir haben schon im letzten Jahr konzeptionell begonnen, STARFACE NEON zu bauen und zu planen, als von Corona noch keine Sprache war. Mit der vorgezogenen Einführung der Beta-Version im März haben wir absolut den richtigen Moment getroffen. Damit sind wir für die Zukunft, für die Digitalisierung, für verteiltes Arbeiten im Home-Office mit der STARFACE, als Produkt und als Firma, prima aufgestellt.