Home Office – Top oder Flop?

Das Arbeiten im Home Office ist beliebt wie nie: Laut Randstad-ifo-Personalleiterbefragung planen 23 Prozent der Unternehmen in Deutschland, ihr Home Office-Angebot 2017 auszubauen. Doch bevor Sie vorschnell zum Personalleiter eilen, sollten Sie die Vor- und Nachteile dieses Modells abwägen.

Pro: Kein Pendeln

Der offensichtlichste Pluspunkt des Arbeitens im Home Office: Der Mitarbeiter spart sich den Weg ins Büro. Die gewonnene Zeit kann er für seine Regeneration nutzen und startet so mit vollgeladenem Akku in den Arbeitstag. Ein hoher Stress-Level am Morgen durch Baustellen, Staus und verspätete Züge? Fehlanzeige.

Pro: Mehr Flexibilität

Im Home Office ist der Mitarbeiter flexibler und kann seine Workflows auf die eigenen Vorlieben zuschneiden. Eulen und Lerchen können ihre Arbeit also erledigen, wenn sie am produktivsten sind. Auch kann der Mitarbeiter frei entscheiden, ob er am Stück oder in mehreren kleineren Zeiteinheiten arbeitet. Stichwort Work-Life-Balance: Dank der flexiblen Arbeitszeiten lassen sich Privat- und Berufsleben gut unter einen Hut bringen.

Kon: Viel Selbstdisziplin nötig

Die vielen Freiheiten und das hohe Maß an Flexibilität haben auch ihre Kehrseite: Wenn man nicht verpflichtend jeden Tag um acht Uhr im Büro stehen muss, braucht es schon einiges an Selbstdisziplin, um jeden Tag pünktlich zu starten.

Kon: Keine klaren Grenzen

Wie der Name schon sagt, verschmelzen im Home Office Zuhause und Büro. Durch die fehlende örtliche Abgrenzung verschwimmen Privat- und Berufsleben. Hier lauert die Gefahr, tendenziell zu viel zu arbeiten. Viele Telearbeiter berichten sogar, nur außerhalb ihrer Wohnung richtig abschalten zu können.

Pro: Mehr Komfort

Wer kennt es nicht: Stundenlange Meetings im nicht klimatisierten Konferenzraum – und das in Kostüm oder Anzug. Im Home Office gibt es keinen Dress Code. Jeder trägt, was am bequemsten ist, was wiederum zu mehr Produktivität führen kann. Doch Sie sollten es nicht übertreiben: Videokonferenzen im Pyjama hinterlassen keinen guten Eindruck.

Kon: Fehlende Sozialkontakte

Bedenken Sie: Das Arbeiten im Home Office ist einsam. Es ist kein Kollege da, bei dem man nach einem Telefonat mit einem schwierigen Kunden Dampf ablassen kann. Auch das Ad-Hoc-Lernen von Kollegen und der Ideenaustausch bleiben auf der Strecke. Gerade bei Problemen und besonders harten Nüssen sind Sie als Telearbeiter also ganz auf sich allein gestellt.

Kon: Große Ablenkungsgefahr

Störende Kollegen und laut telefonierende Schreibtischnachbarn gibt es zwar ausschließlich im Büro. Die Ablenkungen zuhause sind aber oft noch größer. Da warten nicht nur Facebook und Twitter, auch die Wäsche müsste ja gemacht werden. Und auch die Kinder können während der Schulferien zum Störfaktor werden.

Pro: Eigenes Wunschbüro

Das Büro in den eigenen vier Wänden lässt sich ganz und gar nach eigenen Wünschen und Vorlieben einrichten. Zu niedrige Schreibtische oder quälend langsame Firmenrechner sind damit Geschichte. Und das Beste daran: Viele Anschaffungen lassen sich von der Steuer absetzen.

Kon: Fehlender IT-Support

Für den privaten PC und nicht gemanagte Geräte gibt es oft keinen firmenseitigen IT-Support. So kann es sehr lange dauern, bis man das Problem per Google-Selbsthilfe löst – oder der IT-Fachmann vor der Wohnungstür steht.

Kon: Erschwerter Datenschutz

Hat der Mitarbeiter von Zuhause aus Zugriff auf Server und Firmendaten, ist es unbedingt erforderlich, die Verbindung zu sichern – beispielsweise per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Und auch strengste Sicherheitsvorkehrungen und Datenschutzbestimmungen nutzen nichts, wenn der Ausdruck des neuen Produktkonzepts ungeschreddert im Home Office Mülleimer landet.

Das Home Office hat Zukunft – passt aber nicht für jeden

Allgemein gültig lässt sich nicht beantworten, ob die Vor- oder Nachteile des Home Office-Konzepts überwiegen. Letztlich kommt es immer auf das Unternehmen, die Tätigkeit und den Mitarbeiter selbst an. Mitarbeiter, die kreative Aufgaben ausführen, sind beispielsweise im Home Office bis zu 20 Prozent produktiver. Telearbeiter mit repetitiven Aufgaben verlieren hingegen bis zu 10 Prozent an Produktivität. Fakt ist jedoch: Das Arbeiten von Zuhause ist heute deutlich einfacher als noch vor 15 Jahren. Presence Management Systeme, automatische Rufumleitungen vom Bürotelefon auf das Smartphone, Video Conferencing und andere Collaboration Tools ermöglichen heute eine effiziente Zusammenarbeit über den gesamten Globus hinweg.